ACARA-POST

Aktuelle Ausgabe 2018:

März-April

3.-Acara-Veranstaltung-2017

Vorschau auf unseren Filmvortrag am 03. März 2017

Anne & Swen Buerschaper:

„Die letzten Tage des Rio Xingu?“ Teil 2.

 

Gemeinsam mit Andreas Tanke und Michael Berg (IG-BSSW) bereiste ich 2013 den Rio Xingu und sein Einzugsgebiet.

Ziel unserer kleinen Expedition waren die natürlichen Lebensräume der L-Welse und anderen Fischarten. Wir wollten nachweisen welche Arten in den von uns untersuchten Biotopen vorkommen und möglichst viele davon Unterwasser filmen und fotografieren.

Das was wir dann erlebten hatte sicher keiner von uns erwartet…

Ein unglaublicher Artenreichtum auf, zum Teil, sehr kleinem Raum.

Viele verschiedene Wels Arten teilten sich den Lebensraum mit Buntbarschen und Salmlern. In den meisten Biotopen war das Wasser klar genug für die begehrten Unterwasser Aufnahmen.

In den ersten Tagen trafen wir auf ein Wissenschaftler Team, das wir einige Tage begleite durften…

Das Forscher- Team bestand aus über 30 (dreißig) Personen, dabei waren unter anderem Leandro Sousa, Tatiana Pereira, Nathan Lujan und Marc Sabaj-Perez, der Expeditionsleiter, um nur einige zu nennen.

Viele Wissenschaftler aus aller Herren Länder- von Amerika bis Japan- von Geologen bis Ichthyologen- alles war vertreten.

Grund dafür war allerdings eher ein trauriger Anlass- ich habe ja den Titel des Berichts nicht so einfach „erfunden“, leider gibt es einen traurigen Grund dafür.

Die brasilianische Regierung hat einen gigantisches Staudammprojekt geplant und fast fertig gestellt.

Theoretisch kann nächstes Jahr der Fluss aufgestaut werden. Dann werden viele Biotope zerstört.

Einerseits überschwemmt vom aufgestauten Wasser und andererseits trockengelegt durch Umleitung des Flusses…

Es war eine interessante Zeit mit den Forschern aber dann wollten wir weiter…

Wir fuhren den Rio Iriri hinauf bis es für unser Boot kein Weiterkommen mehr gab.

Eine beeindruckende Stromschnelle, mit mehreren Metern Höhenunterschied, stoppte uns.

Hier fängt auch die Xipaya Indianer Reservation an, für ein betreten der Stammesgebiete hätten wir eine Sondergenehmigung gebraucht.

Unterwasser erwartete uns eine Überraschung nach der anderen, fast im Minutentakt fingen wir die verschiedensten Welse. Ancistrus, Pseudancistrus, Baryancistrus und viele verschiedene L- Nummern.

Ich tastete unter freigespülten Felsen die Welse auf, packte zu (vorsichtig- wegen der vielen Flossenstacheln und Odontoden) und löste sie durch gleichmäßiges vorsichtiges ziehen vom Felsen. Die Welse verkeilten sich mit ihrem ganzen Körper in den Felsspalten, stellten alle Flossen auf und saugten sich mit ihren Mäulern fest.

So sollte es die ganze Zeit weitergehen, die Vielfalt und Schönheit des Rio Xingu und seiner Nebengewässer, überraschte uns alle Drei jeden Tag aufs Neue…

Ich hatte gehofft auf klareres Wasser zu treffen, aber im Grunde war ich mehr als zufrieden.

Unglaubliche Biotope mit tiefschwarzen Felsen- mal rund geschliffen- mal aufgebrochen und immer voller Leben, Schnecken, Schwämme, Garnelen, Krabben und natürlich Fische.

Auch am Rio Anapu und am Igarape Tucurui waren wir unterwegs.

Wunderschöne Welse, Buntbarsche und Salmler konnten wir für uns entdecken, die Flüsse und ihre Artenvielfalt bestaunen, die herrlichen Naturschauspiele der Stromschnellen, mit schier unglaublichen Wassermassen „erforschen“ und nicht zuletzt nette, freundliche und interessante Menschen kennenlernen.

Was kann man von solch einer Reise noch mehr erwarten?

Ich denke nichts!

Vergessen sind die vielen Stiche und Bisse der unzähligen Insekten, die Schrammen und Kratzer die ich in den Stromschnellen erlitt, nur die Geschichte zählt und das Erlebte.

Was für ein Abenteuer…

Hoffen wir für andere Weltenbummler, das das „Fragezeichen“ im Titel des Films gerechtfertigt war und der Rio Xingu weiterhin mit seinen Geheimnissen und Schätzen erhalten bleibt, zumindest Teile davon!

 Adeus Brasil (Ade-ousch Brasio)…

 Auf Wiedersehen Brasilien…

Swen Buerschaper